Veröffentlicht am Mi., 6. Jan. 2010 10:00 Uhr
Christuskirche Landshut, Pfarrer z.A. Felix Reuter

Predigt zu Eph 3,2-3a.5-6

--- Es gilt das gesprochene Wort. ---

Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt. Amen.

Der Predigttext für Epiphanias steht im Brief des Paulus an die Epheser im 3. Kapitel (Eph 3,2-3a.5-6):

"Ihr habt gehört, welches Amt die Gnade Gottes mir für euch gegeben hat: Durch Offenbarung ist mir das Geheimnis kundgemacht worden. Dies war in früheren Zeiten den Menschenkindern nicht kundgemacht, wie es jetzt offenbart ist seinen heiligen Aposteln und Propheten durch den Geist; nämlich dass die Heiden Miterben sind und mit zu seinem Leib gehören und Mitgenossen der Verheißung in Christus Jesus sind durch das Evangelium."

Herr, segne unser Reden und Hören durch deinen Heiligen Geist.
Amen.

Lieber Freund,
"entschuldige, dass du so lange nichts von mir gehört hast. Die letzten Monate waren nur Arbeit. Nächte habe ich über Sternenkarten gebeugt am Schreibtisch verbracht. Habe den Himmel beobachtet, bin den Bewegungen der Gestirne gefolgt, habe Zusammenhänge gesucht. Warum bewegen sich die Sterne? Manche meinen, der Himmel würde sich in der Erde spiegeln und die Erde im Himmel. Man muss es nur lesen können. Ob etwas dran ist?
Was glaubst du: Gibt es einen, der sieht? Der dort oben lenkt, was hier unten geschieht?
Wenn man Nacht für Nacht in den Himmel schaut, dann ist das fast wie ein Gottesdienst: das Firmament, so weit, so majestätisch, ein einziges Blinken und Blitzen.
Und wenn ich dann an mein kleines Leben denke, das vor allem darin besteht, mein Soll zu erfüllen, dann frage ich mich: Ist das wirklich alles? Müsste es nicht mehr geben?
Du siehst, das sind keine Fragen, die sich in mathematischen Gleichungen oder nach den Gesetzen der Logik lösen lassen. Etwas Neues also für mich. Ich werde dich wissen lassen, wenn ich weiter bin."
(Der andere Advent 2009, hg. v. Andere Zeiten e.V., 29.11.)

Dein Caspar

Liebe Gemeinde,
wir leben hier in der Welt, tun das, was wir als unsere Aufgabe erachten und was getan werden muss, eifern dem Fortschritt, der Optimierung, der Erkenntnis hinterher, versuchen nach Gesetz und Ordnung zu handeln, achten im besten Fall auf soziale Verträglichkeit unseres Zusammenlebens. Die Welt lebt vor sich hin, als ob sie von Gott und seiner frohen Botschaft in Jesus Christus noch nichts gehört hätte. Größtenteils teilnahmslos.

Der Apostel Paulus sagt dazu in seinem Brief an die Epheser:
"Das Geheimnis [Christi] war in früheren Zeiten den Menschenkindern nicht kundgemacht." (Eph 3,5a)

Das Geheimnis ist nicht kundgemacht. Als ob diese frühere Zeit heute immer noch gilt. Die Welt lebt dahin, ohne die Kunde vom Geheimnis Christi. Und die Menschenkinder versuchen ihr Bestes und scheitern doch immer wieder. Das Geheimnis ist nicht kundgemacht, und doch spüren wir eine Wirklichkeit, die über unsere Wirklichkeit hinausweist. Ist das wirklich alles? Müsste es nicht mehr geben? Wir beobachten das, was auf der Erde passiert, was sich in der Erde spiegelt. Und wir versuchen zu verstehen, nehmen den Rat der Weisen entgegen, suchen die Weltformel, mit der sich alles erklären lässt, fragen nach dem Warum, nur, um uns und das Leben einordnen zu können. Doch die Größe der Welt und die Dinge, die passieren, lässt uns demütig werden. Weit, majestätisch, unnahbar. Demut als Form des Gottesdienstes, doch für einen Gott, den wir nicht kennen und deswegen fürchten. Wir befragen die Weisen des Morgens, um zum Licht geführt zu werden, noch bevor es Nacht wird.

Lieber Freund,
"letzte Woche habe ich zwei Kollegen kennengelernt, die mir gefallen. Wir sind auf etwas gestoßen, das mich nicht loslässt. Sieh nach Osten: Jupiter und Saturn wandern aufeinander zu, es scheint, als wüchsen sie zusammen. Was kann das bedeuten, haben wir uns gefragt, und ich habe ein paar Nächte lang alte Schriften gewälzt. Ein Stern wir aufgehen, las ich dort, und ein Zepter aus Israel aufkommen.
Nun ist Jupiter der König der Sterne und Saturn das Schutzzeichen Israels. Diese Konstellation steht im Sternenbild der Fische, was ungewöhnlich ist. Das könnte also heißen: Ein neuer König wird geboren, aber nicht hier, sondern in Israel. Ein besonderer Herrscher muss das sein, wenn die Sterne seine Boten sind.
Ich weiß selbst nicht, warum mich das so bewegt. Es scheint mir wie ein Zeichen. So lange habe ich Ausschau gehalten, ohne zu wissen, wonach. Es ist, als sagte nun jemand: Bitteschön. Da hast du, wonach du suchst. Nur, was mache ich damit?
Ich melde mich wieder. Jetzt bin ich mit den beiden Kollegen verabredet. Wir wollen ein bisschen zusammen weggehen. Sie sind ebenso fasziniert von diesem Stern wie ich. Und ebenso ratlos. Vielleicht kommen wir gemeinsam weiter."
(Der andere Advent 2009, hg. v. Andere Zeiten e.V., 6.12.)

Dein Caspar

Liebe Gemeinde,
wir leben hier in dieser Welt und neben all dem Alltäglichen spüren wir: es ist eine besondere Zeit, die Sterne stehen günstig. Es wird hell und wir wissen noch nicht, warum. Wir befragen die alten Schriften und stoßen nur auf weitere Rätsel. Es soll ein neuer König kommen, ein Herrscher, der uns befreit aus den Zwängen unseres Lebens. Doch zu wem kommt dieser König, ist es nicht wieder einer, der nur sein auserwähltes Volk befreit.

Der Apostel Paulus schreibt:
"Die Heiden sind Miterben und gehören zu seinem Leib. Sie sind Mitgenossen der Verheißung." (Eph 3,6)

Obwohl wir nur erahnen können, wer dieser König ist, wir gehören dazu. Wir gehören zu seinem Leib, zu seinem Volk, selbst dann, wenn wir Heiden sind. Das neue Licht gilt allen, selbst denen, die Gott nicht erahnen, die sich ihm verschließen. Bitteschön. Da habt ihr, wonach ihr sucht. Nur, was mache wir damit?
Wir verabreden uns mit den Weisen des Morgens, um zum Licht geführt zu werden, noch bevor es Nacht wird.

Lieber Freund,
"es ist Abend, und die Luft riecht feucht und kühl und würzig. Vollkommen still ist es, nur das Schnauben der Kamele höre ich vn Zeit zu Zeit. Du fragst dich, wo ich bin? Auf der unglaublichsten Reise, die ich je begonnen habe. Ich folge dem Stern. Balthasar und Melchior an meiner Seite. Wir sind einfach aufgebrochen – wider alle Vernunft. Das muss verrückt klingen. Ich finde mich selbst verrückt. Wenn die Leute fragen, wohin wir wollen, dann sagen wir, dass wir den neuen König suchen. Wir sind auf einmal Utopisten, Visionäre, wir haben weder Beweise noch Garantien in der Hand. Wir werden angezogen von einem, dessen Namen wir nicht mal kennen. Es ist ein großes Abenteuer. Aus den alten Schriften habe ich mir eine Prophezeiung herausgeschrieben: "Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht", heißt es dort. Sag selbst: Klingt das nicht schön?
Ich habe beschlossen, das Ganze wie eine mathematische Frage zu behandeln. Probehalber gehe ich davon aus, es könnte wahr sein."
(Der andere Advent 2009, hg. v. Andere Zeiten e.V., 13.12.)

Dein Caspar

Liebe Gemeinde,
wir leben hier in dieser Welt und sind ihr in so vielem verhaftet. Wir sind gebunden, oft nicht frei, lassen uns lähmen von Dingen, die uns halten. Leben in geordneten Bahnen, gesichert, festgezurrt. Freiheit, gesichert durch hohe Mauern und Stacheldraht. Frieden, gewährleistet durch Waffenstillstand und drohende Gewalt. Doch die Luft ist nicht schal, sondern riecht feucht und kühl und würzig. Es riecht nach Mehr. Wir wandern im Finstern, aber sehen ein großes Licht. So sagen es die alten Propheten.

Der Apostel Paulus weiß:
"Wie es offenbart ist seinen heiligen Aposteln und Propheten." (Eph 3,5)

Die Apostel und Propheten haben eine Ahnung. Davon spüren wir etwas, ohne im Ganzen zu wissen, was es sein wird. Wir lassen uns ein auf das Abenteuer Leben, lassen die Mauern zurück und legen die Waffen ab.
Wir wagen den Aufbruch, folgen den Weisen des Morgens, um zum Licht geführt zu werden, noch bevor es Nacht wird. Denn: Es könnte wahr sein.

Lieber Freund,
"jetzt sind wir bald zwei Monate unterwegs. Du glaubst nicht, was ich auf dieser Reise bereits alles erfahren habe! Ein Vielfaches von dem, was ich je in meinen Studien lernte. Es ist eine Reise nach innen. Ich bin auf der Spur. Ich bin Menschen begegnet. Ich habe gelernt, von ihnen zu lernen, indem ich nichts will. Sondern offen aufnehme, was mir entgegenkommt.
Aber darüber habe ich nicht unser Ziel vergessen. Den neuen König. Gestern haben wir einander unsere Geschenke für ihn gezeigt. Das war spannend, weil sie etwas von unseren Wünschen verrieten. Melchior bringt ihm Gold. Weil nur Gold eines Königs würdig ist. Glanz und Herrlichkeit sieht er darin. Balthasar hat Weihrauch ausgewählt, weil er glaubt, dass dieser König nicht nur ein Mensch ist, sondern ein Gott. Und ich? Ich habe Myrrhe dabei. Weil sie Schmerzen lindert und heilt. Ich dachte, niemand ist so groß, dass er unempfindlich ist gegen Leid. Merkwürdige Geschenke sind das. Sie erinnern mich an das Wertvollste, das Heiligste, das Verletzlichste, das wir haben.
Ich bin wirklich neugierig, wohin uns das alles führt."
(Der andere Advent 2009, hg. v. Andere Zeiten e.V., 20.12.)

Dein Caspar

Liebe Gemeinde,
wir leben hier in dieser Welt und staunen, welche Kostbarkeiten uns durch die Menschen um uns herum entgegengebracht werden. Jetzt, da wir aufgebrochen sind, da wir Trennendes hinter uns gelassen haben, merken wir: Geschenke über Geschenke, die uns zuteil werden, nur weil wir Anteil nehmen am Leben der anderen. Das Abenteuer Leben hält so viele Überraschungen bereit.

Der Apostel Paulus ruft uns zu:
"Ihr habt gehört, welches Amt die Gnade Gottes mir für euch gegeben hat." (Eph 3,2)

Die Gnade Gottes für uns. Wir spüren, dass Gott es gut mit uns meint. Wir sind dankbar, dass wir mitgenommen wurden auf die Reise zu neuem Leben. Doch mit den Weisen verlieren wir unser Ziel nicht aus den Augen, wissen wir doch, dass all das, was uns begegnet, seinen Ursprung in dem hat, den wir suchen.
Wir überlegen: was könnten wir dem neuen König schenken, was verrät etwas über den tiefen Wunsch, den wir in uns tragen. Wir lassen uns von den Weisen des Morgens inspirieren, um zum Licht geführt zu werden, noch bevor es Nacht wird. Wir sind neugierig, wohin das führt.

Lieber Freund,
kein überwältigender Palast, keine hübschen Menschen, kein Glanz und Licht. Sondern nur eine Hütte. 
"Eng und stickig und dann diese einfachen Leute: Die junge Frau, der schweigsame Handwerker, da standen sie also mit einem neugeborenen Kind im Arm. Das sollte alles sein? Dort schien nichts, aber auch gar nichts Besonderes zu sein. Ich fühlte mich betrogen um ein großes Erlebnis. Hier? Ein König? Unvorstellbar! Wir blieben dennoch. Allein schon, weil wir nach dem ganzen Weg nicht einfach umkehren wollten. Wir redeten ein bisschen, aber vor allem schauten wir. Wir schauten das Kind an. Und plötzlich dachte ich: Stell dir nur vor, ein König, der deines Schutzes bedarf. Ein König, der dort wohnt, wo die meisten wohnen. Ein König, der noch wachsen muss. Und denk dir, wir wüchsen mit ihm und all unsere Anfänge auch. (...)
Ich muss das alles bedenken, nein, ich übe, die Dinge in meinem Herzen zu bewegen. Den Stern trage ich bei mir. Er leuchtet noch."
(Der andere Advent 2009, hg. v. Andere Zeiten e.V., 3.1.)

Dein Caspar

Liebe Gemeinde,
uns wird eine neue Welt geschenkt, eine Welt, nicht wie wir sie erwartet hatten. Die neue Welt kennt die Enge einer Hütte, sie ist da für einfache Leute, sie gibt uns einen König, der unseres Schutzes bedarf. Die neue Welt fängt klein an, damit wir mit ihr wachsen können. Die neue Welt wird uns offenbart und bleibt doch ein Geheimnis.

Der Apostel Paulus spricht von der "Verheißung in Christus Jesus" (Eph 3,6), vom Evangelium, der frohen Botschaft.

Der König hat einen Namen, unsere Hoffnung bekommt ein Gesicht, unsere Suche findet ein Ziel. Doch es ist anders, als wir erwartet hatten, wir sind nicht gefeit vor Enttäuschungen. Doch mit den Weisen des Morgens bleiben wir dennoch. Wir bewegen die frohe Botschaft in unserem Herzen. Das Licht des neuen Sternes bleibt bei uns, die Nacht ist vergangen.
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Felix Reuter Pfarrer z.A.

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