Veröffentlicht am Di., 19. Jan. 2016 10:00 Uhr
Gottesdienst am 19.01.2016 (Neujahrsempfang des Diakonischen Werkes)

Jahreslosung 2016

--- Es gilt das gesprochene Wort. ---

„Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“
Jesaja 66, 13
 

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Diakonischen Werkes,

erinnern Sie sich noch, 

an den Schmerz, als Sie als Kind mit dem Fahrrad hingefallen sind,

als die Katze, die Sie liebten, überfahren worden ist,

als Sie die Schulaufgabe herausbekommen haben, mit einem ungenügend,

als die Oma starb,

als die Freundin Schluss gemacht hat

.…

Erinnern Sie sich noch an den Schmerz und die Tränen, an die Stiche im Herzen und die Verzweiflung, an die Flucht, weg von allem, ins eigene Zimmer; an die Dunkelheit und die Scham und das Unglücklichsein.

Und erinnern Sie sich noch, als Sie in den Arm genommen wurden, als jemand gesagt hat: „nun erzähle mal“; an die Hand, die Sie gestreichelt hat, an die Kosungen, die an Ihr Ohr drangen.

„Ich will euch trösten, wie eine Mutter tröstet.“

Es war nicht immer die Mutter, manchmal auch ein Freundin, die Schwester, ein Lehrer oder Pfarrer.  Aber oft war es doch die Mutter.

Und das Trösten ist ja auch die Aufgabe einer Mutter (und eines Vaters). Wir Eltern sind dafür da, dass wir reagieren, wenn unser Kind uns braucht. Wir helfen ihm dabei, durchs Leben zu kommen. Wir können Leid nicht aufheben, wir können Geschehenes nicht rückgängig machen. Die schlechte Note steht fest und unwiderruflich im Zeugnis, die Freundin hat einen anderen. Wir können es nicht rückgängig machen, doch wir können für unser Kind da sein. Wir können mit ihm Leid und Trauer aushalten und mittragen. Wir können uns die Vorwürfe und Selbstzweifel anhören, wir können beruhigen und streicheln, ermutigen und Wege aufzeigen. Wir lassen unser Kind nicht allein in seiner Dunkelheit.

Das ist sehr viel.

Nebenbei geben wir den Kindern ein Beispiel, wir führen sie auf einen Lernweg, der darauf zielt auch einen unabwendbaren Schmerz auszuhalten, und die Trauer auf längere Frist zu überwinden.

Mitarbeiter im Diakonischen Werk haben sich das Trostspenden zum Beruf gemacht. Zwar ist man mit dem Trösten nicht dauernd gefordert, aber es wird immer wieder nötig sein:

-          Eine Bewohnerin kann sich nicht damit abfinden, dass sie nun im Pflegeheim ist.

-          Jemand kommt zur Paarberatung, weil der Partner gegangen ist.

-          Jemand klagt bei der MAV über Mobbing an seiner Arbeitsstelle.

-          Eine Erzieherin in der Krippe nimmt ein Kind, das hingefallen ist, auf den Arm.

„Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“

Sie müssen trösten, jemandem zuhören, Leid mittragen, nach Lösungen suchen, einen Weg aufzeigen. Keine leichte Aufgabe.

Im Psalm heißt es: „Gott will euch trösten.“

Wo tut Gott das?

Zunächst einmal durch uns. Wir sind Gottes Mitarbeiter. Jesus hat uns ein Beispiel gegeben, wie wir handeln sollen, als Mensch, als Geschöpf Gottes, das Verantwortung trägt für den Menschen als sein Mit-Geschöpf.

Aber mancher kann auch davon berichten, dass Gott ihn getröstet, hat in ganz unmittelbarer Weise:
Im Gebet, durch ein Bibelwort, in einem Gottesdienst, beim Besuch des Pfarrers.

Gott tröstet uns.
Die Voraussetzung für seinen Trost ist, dass Gott uns in dieser Welt nicht allein lässt und, dass Gott sich selbst den Bedingungen dieser Welt unterstellt hat, als er Mensch geworden ist. Er hat in Jesus Christus erfahren, was Schmerz und Verzweiflung ist. Jesus hat sich nicht gedrückt vor Leid und Tod.

Er ist bei uns in unserer Trauer, als jemand, der Schmerz kennt und weiß, wie tief Verzweiflung und Trauer sein können.

„Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“

Wir können heute am 19. Januar mitnehmen in das neue Jahr:

-          Gott gebe uns die Kraft, dass wir mit unserem Trost bei anderen Menschen, die uns brauchen, ausharren;

-          Gott gebe uns die Nähe eines anderen Menschen, wenn wir selbst verzweifelt sind und selbst Trost brauchen;

-          Und Gott komme uns selbst ganz nahe mit seinem Trost, seiner Zuversicht und seiner Geborgenheit.

Amen.

Dekan Siegfried Stelzner

Landshut, 19.01.2016

Kategorien Predigt Dekan Stelzner