Veröffentlicht am Fr., 30. Mär. 2018 15:00 Uhr
Pfarrer Felix Reuter

Karfreitag - Andacht zur Todesstunde (30.03.2018)

--- Es gilt das geprochene Wort. ---

Musik zum Eingang
Biblisches Votum (Mk 10,36-38a) und Entzünden der Kerze

Jesus sprach zu seinen Jüngern: Was wollt ihr, dass ich für euch tue? Sie sprachen zu ihm: Gib uns, dass wir sitzen einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken in deiner Herrlichkeit. 38 Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr wisst nicht, was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke?

DER FREUNDE WILLE
Lesung   Lk 22,47-53
Musik   Orgel und Oboe
Andacht   Die Freunde

Die anderen wissen es immer besser.
Tu dies, tu das. Lass das sein. Lass mich nur machen.

Und die, die mir besonders nahe stehen, scheinen es am besten zu wissen:
Du solltest doch viel mehr Revolutionär sein. Die Mehrheit ist auf deiner Seite Sie wartet nur auf einen Anführer.
Jetzt ist die Zeit, zu zeigen, wer die Macht hat. Jetzt ist die Zeit, zu zeigen, was in dir steckt.

Und so wandelt sich einer meiner besten Freunde zu einem meiner stärksten Feinde. Weil er meint zu wissen, was richtig für mich ist, wird er mein ärgster Widersacher.
Vertrauen wird Argwohn. Aufrichtigkeit wird Lüge. Liebe wird Hass.
Hinter dem Bruderkuss verbirgt sich Verrat.
Als das mitten in der Nacht offen zu Tage tritt, schlagen die anderen in die gleiche Kerbe.
Sie ziehen das Schwert.
Sie schlagen um sich, um mich zu schützen.
Und verletzen damit andere.
Die Macht des Wortes wird durch die Macht der Gewalt zum Schweigen gebracht.
Und damit finden niemand Gehör.
Das ist die Macht der Finsternis.

Halt. Ich will das nicht. Ich muss dazwischengehen und heilen.

Ich will einfach nur: Leben.
Leben für alle.
Miteinander. Vertrauensvoll. Heilsam.
Wer wollte das nicht?

Lied   Aber du weißt den Weg für mich
DER HERRSCHENDEN WILLE
Lesung  Mt 26,57.59-67; 27,1-2
Musik   Orgel und Oboe
Andacht   Die Herrschenden

Die Herrschenden wollen Macht.
Das ist Aufgabe der Herrschenden.
Die Macht zu gestalten. Die Macht zu entscheiden. Die Macht zu führen.
Diese Macht will übernommen werden. Dies ist Auftrag an uns Menschen. Das allein ist ihre Legitimation.

Doch die Machthabenden der Welt sitzen immer wieder dem gleichen Trugschluss auf.
Die Macht sei verbunden mit einer bestimmten Person.
Präsidentschaft auf Lebenszeit.
Als ob der Tod nicht all unsere menschliche Macht begrenzen würde.
Die Macht sei verbunden mit einer bestimmten Herrscherdynastie.
Ausschalten der Widersacher.
Als ob Minderheiten oder Andersdenkende sich ausschalten ließen.
Die Macht sei verbunden mit der vermeintlichen Mehrheit.
Eine Wahl zum Schein.
Als ob sich die Kräfte des Ausgleichs einfach verbieten lassen.
Die Macht sei verbunden mit einem bestimmten menschlichen Weltbild.
Machterhalt durch falsches Zeugnis. Fake News, hinausgetwittert in die Welt.
Als ob die Wahrheit sich am Ende nicht durchsetzen würde.

Halt. Ich will das nicht. Ich muss dazwischengehen und den Ursprung aller Macht offenbaren: Gott im Himmel, jenseits dieser Welt.

Aus dieser Macht heraus will ich einfach nur: Leben.
Leben für alle.
Miteinander. Vertrauensvoll. Heilsam.
Wer wollte das nicht?

Lied   Aber du weißt den Weg für mich

DES VOLKES WILLE
Lesung   Mk 15,6-15
Musik   Orgel und Oboe
Andacht   Das Volk

Wir sind das Volk.
Und was das Volk will, ist gerechtfertigt durch das Volk.
Die Stimme der Mehrheit kann sich doch nicht irren!

Die Stimme des Volkes kann getragen sein durch den Ruf nach Freiheit und Frieden.
Dieser Ruf lässt sich nicht unterdrücken.
Er wird eingeflüstert durch die Wahrhaftigkeit.
Wir sind das Volk.
Dieser Ruf kann Unrecht stürzen.
Dieser Ruf kann Leben ermöglichen.
Dieser Ruf kann Menschen befreien. 

Doch das Volk ist nicht gefeit vor Neid und Angst.
Das ist die Stunde der Aufwiegler.
Sie instrumentalisieren die Angst und flüstern ein.
Wir sind das Volk.
Es ist der gleiche Ruf.
Doch aus dem Ruf für Freiheit wird ein Ruf für neue Mauern.
Aus dem Ruf für das Leben wird der Ruf nach dem Tod.
Kreuzige ihn!

Halt. Ich will das nicht. Ich muss dazwischengehen. Doch gegen die Gewalt der Massen bleibt nur das Festhalten an der Gewaltlosigkeit.

Mein ganzes Sein ist Ausdruck meines Willens nach: Leben.
Leben für alle.
Miteinander. Vertrauensvoll. Heilsam.
Wer wollte das nicht?

Lied   Aber du weißt den Weg für mich (2x)
NICHT MEIN WILLE
Lesung  Mt 27,33-46.50-51a
Stille [Verlöschen der Kerze auf dem Altar]
Gebet   Vaterunser
DEIN WILLE
Lesung   Lk 23,50-56

[Altarflügel werden geschlossen]

Andacht   Gott

Wer wollte nicht das Leben?
Du willst es doch auch, Gott.
Und doch kommt der Tod.

Ich will nicht sterben. Weder die vielen kleinen Tode noch den einen großen.
Doch am Ende bleibt nur das Ende.
Davor habe ich so unendlich Angst.

Die Angst lässt mich schreien.
Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Ich halte diese Klage kaum aus.
Es zerreißt mich.

Ich kann die Menschen verstehen, die sich um ihre Freunde sorgen, damit sie nicht an ihrer eigenen Sorge vergehen.
Ich kann die Menschen verstehen, die an ihrer Macht, an dem Machbaren, an der ewigen Jugend festhalten, damit sie sich nicht mit ihrer eigenen Endlichkeit auseinandersetzen müssen.
Ich kann die Menschen verstehen, die sich in das Nest der großen Masse flüchten und „Wir sind das Volk“ schreien, damit sie sich nicht der Tatsache ins Auge blicken müssen, dass sie am Ende ganz alleine sind.

Aus dieser Angst entsteht ein unheilvolles Wollen des Menschen.
Ich will. Ich will. Ich will.
Ein Teufelskreis.

Du schenkst uns deinen Willen, Gott!
Du befreist uns aus diesem Unheilskreis.
Du willst. Du willst. Du willst.
Das Leben, das den Tod einschließt.
Das Leben, das die Angst aufhebt.
Das Leben, das ewig währt.

Dein Wille geschehe. So bete ich. Heute am Karfreitag. In der Stunde des Todes.

Lied KAA 0146   In einer fernen Zeit
Biblisches Votum (Lk 22,41f) und Segensgebet

Und Jesus riss sich von ihnen los, etwa einen Steinwurf weit, und kniete nieder, betete und sprach: Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe!

Gott will Leben. Sein Segen begleitet uns durch den Tod hindurch hin zum ewigen Leben:

Gott nehme die Härte aus unseren Stimmen.

Gott nehme den Schatten von unseren Seelen.

Gott nehme die Last von unserem Rücken.

Gott nehme den Stein von unserem Grab.

So segne uns der dreieinige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Musik zum Ausgang   Orgel
Kategorien Predigt Pfr. Reuter