Veröffentlicht am So., 5. Jul. 2015 10:00 Uhr
Jakobuskirche Ast, Lektor Dr. Rolf Kluge

Predigt zu Lk 5, 1-11

--- Es gilt das gesprochene Wort. ---

"Es begab sich aber, als sich die Menge zu ihm drängte, um das Wort Gottes zu hören, da stand er am See Genezareth und sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. Da stieg er in eines der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus. Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus! Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich die Netze auswerfen. Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische und ihre Netze begannen zu reißen. Und sie winkten ihren Gefährten, die im andern Boot waren, sie sollten kommen und mit ihnen ziehen. Und sie kamen und füllten beide Boote voll, sodass sie fast sanken. Als das Simon Petrus sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch. Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die bei ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten,  ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen. Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach."

Herr, segne unser Reden und Hören durch deinen Heiligen Geist. Amen

I. Spontaner Aufbruch heute

Liebe Gemeinde!

„Ich bin dann mal weg!“ – Kennen Sie diesen Satz? So lautet der Buchtitel des Bestsellers von Hape Kerkeling. Das Buch wurde über 4 Millionen Mal verkauft. Hape Kerkeling ist Moderator im Rundfunk und Fernsehen, Reporter und Komiker. Er ist vor allem durch seine humorvollen und unterhaltsamen Rollen bekannt. 2009 bringt er sein erstes Buch heraus. In diesem Buch erzählt er über seine Erfahrungen auf der Pilgerreise dem Jakobsweg. Er berichtet über persönliche Erfahrungen mit anderen Pilgern, mit sich selbst und seinem Körper und mit seinem Glauben. Damals hat er sich von jetzt auf gleich - ohne Vorbereitung - auf den Weg gemacht. Unser eins hätte sich Monate vorbereitet, evtl. trainiert und alles gut geplant. Doch Hape Kerkeling packt die Sachen und macht sich am nächsten Morgen auf den Weg. Einfach los … „Ich bin dann mal weg.“

Im Predigttext hören wir auch von einem spontanen Aufbruch: "Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach." Stellen wir uns diese Situation einmal vor:
Die Fischer kehren mit zwei übervollen Booten ans Land zurück. Alle sind erschöpft und müde vom Fischfang und der erfolglosen Nacht zuvor - und dann dieser riesige Fischfang. Dieser ist sicherlich wertvoll und sichert das Auskommen für die nächste Zeit: für Simon, seine Familie und seine Angestellten. Das ist eine sichere Zukunft. Aber was machen Simon, Jakobus und Johannes: sie lassen einfach alles stehen und liegen. Sie lassen ihren Fang, die Boote - ihr gesamtes Hab und Gut -, ihre Familie und Freunde zurück; sie geben all ihre Sicherheit und soziales Ansehen auf. Sie machen sich auf den Weg und folgen Jesus nach. Fortan besitzen sie nichts mehr, haben keine Ahnung wohin die Reise geht, wovon sie leben werden, wo sie die nächsten Nächte schlafen werden. Sie tauschen die erarbeitete Sicherheit gegen den gemeinsamen Weg mit Jesus. PAUSE

Stellen Sie sich folgende Schlagzeile auf der Titelseite der Landshuter Zeitung vor: Jahresgewinn steigt um 20% - Erfolgreicher Unternehmer gibt alles auf! Ein angesehener Geschäftsmann mit Angestellten gibt einfach seinen Besitz auf; seine Familie – Frau und Kinder – lässt er zurück und schlägt einen ganz neuen Weg ein! Was bewirkt bei dem Geschäftsmann oder bei Simon auf dem Boot oder eine derartige Veränderung? Betrachten wir den Fischzug noch einmal ganz genau!

II. Mit Wort Gottes verändert sich der Blick

Jesus spricht vor der versammelten Menschenmenge am Ufer des Sees Genezareth vom Boot des Simon. Er lehrt sie und dann spricht er zu Simon: "Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus!" Es liegt eine erfolglose Nacht hinter den Fischern, leider kein Fischfang. Die Boote und die Netze sind gereinigt und alle sind müde und erschöpft. Und jetzt am Tage – wo jeder Fischer – jeder der Ahnung hat - weiss, dass man nichts fängt, sollen sie nochmals zum Fischen rausfahren. Macht das einen Sinn? Wie oft erhalten wir im alltäglichen Leben eine derartige Anweisung etwas zu tun, die im ersten Betrachten unsinnig erscheint. Eigentlich sind wir doch der Fachmann! Aber derjenige, der diese Anweisung ausspricht, wird es schon wissen. Wir vertrauen darauf, dass er hoffentlich mehr versteht und sieht als wir selbst. Es wird sich später herausstellen, wie sinnvoll es ist. Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus! Es ist eine Anweisung, die sich fast wie ein Befehl anhört. Die Botschaft ist ganz klar: --> Hinausfahren und Netze auswerfen. Und Simon, der Eigentümer des Bootes und erfahrener Fischer, spricht zu Jesus: "Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet  und nichts gefangen;"

Simon nennt ihn Meister. Meister wird hier im Sinne eines „Vorgesetzten“ verstanden. Simon zögert ein wenig und zweifelt. Er glaubt nicht, dass sie etwas fangen werden. Man könnte meinen, dass er Jesus nicht vertraut. Simon antwortet weiter: "aber auf dein Wort will ich die Netze auswerfen." Simon zweifelt, macht aber genau das, was Jesus, sein Meister, sagt. Es hört sich so an, als sei Simon nicht mehr der Herr auf diesem Boot. "Aber auf dein Wort will ich die Netze auswerfen." Unsicher verlässt sich Simon auf sein Wort, auf Gottes Wort. Und Gottes Wort lenkt fortan das Geschehen und  sein Wort wird wahr. Sein Wort wird erfüllt. Wie durch ein Wunder wird der Fischzug zu einem überragenden Ereignis. Die Netze drohen zu reißen, so viele Fische haben sie gefangen. Gottes Worte führen an einem Ort und zu einer Zeit zu einem riesigen Fischfang, wo es für „den Menschen“ unmöglich ist. Das Wirken Gottes auf Erden wird erst jetzt allen im Boot deutlich. Im Fischfang zeigt sich Mächtigkeit Gottes und seine die Gewalt auch über die Natur. "Als das Simon Petrus sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch. Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die bei ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten, ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten." Mit großer Ehrfurcht und Demut tritt Simon Petrus, Jesus gegenüber, fällt auf die Knie und gesteht sich seine Schwäche im Glauben ein. Durch diesen Fang werden ihm und seinen Gefährten die Augen geöffnet. Simon Petrus sieht plötzlich mit anderen Augen. Er spürt tief im Herz diese Herrlichkeit und Macht Gottes auf Erden. Simon Petrus sieht mit dem Herzen.

Sehen mit dem Herzen und Glauben sind mit einander verbunden. Plötzlich ist alles anders - die Welt ist anders. Der Blick verändert sich, man erschrickt und könnte Angst bekommen. Die eigenen Schwächen, Grenzen und die eigene Niedrigkeit in Bezug zur Schöpfung der Welt und Macht Gottes werden deutlich. In solch einer Situation wünscht der eine oder andere sich ein aufbauendes Wort. Jesus spricht zu Simon: "Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen." Jesus Christus nimmt ihn trotz aller Zweifel und Schwächen liebevoll an. Er tröstet und beschützt ihn. Er macht ihm Mut! "Fürchte dich nicht!" Mit diesen Worten spricht Gott immer direkt zu seinen auserwählten Menschen, die dann einen Auftrag von ihm bekommen. So ist es z.B. bei Abraham, Mose oder den Propheten Daniel bzw. Jesaja. "Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit." (Jes 41,10)
Dieser Zuspruch "Fürchte dich nicht!" wird durchgängig im Alten Testament und auch hier im Neuen Testament verwendet. Dieser Zuspruch sagt uns:
•    Er öffnet uns die Augen, wenn vieles unsinnig erscheint.
•    Er ist bei uns, wenn wir Mut für Neues brauchen.
•    Er liebt uns, wenn wir noch zweifeln.
In der gesamten Bibel wird die liebevolle Beziehung zwischen Gott und Menschen offenbar  – damals, heute und in Ewigkeit.

III. Nachfolge Jesu – heute leben

Im Alltag lädt Jesus uns ein, ihm nachzufolgen – auch heute. Er ruft dich und mich zur Nachfolge im Leben. Wenn es im Leben eng wird, ist er uns nah: Eine Freundin mit 2 Kindern wohnt jetzt allein auf dem Land. Sie fühlt sich nach der Scheidung vom Ehemann einsam und verlassen. Ein Schulkind kommt ängstlich und weinend nach Hause und  erzählt, wie es in der Klasse ausgegrenzt und gemobbt wird. Ein erfolgreicher Vertriebsmanager zieht sich nach Krankheit und beruflichem Misserfolg zurück, denn er sieht keinen Ausweg. Simon Petrus erfährt nach dem  erfolglosen Fang der Nacht eine berufliche Notlage, denn ohne Fischfang ist seine gesamte Existenz gefährdet. Krisen im Leben – Wie geht es weiter?

In diesen Lebenslagen wenden wir uns häufig zu Gott. Wir suchen seine Nähe, die Geborgenheit und den Schutz, seinen Rat. Im Gebet oder in der Stille rufen wir ihn an und hoffen auf sein Wort. Im Gottesdienst, in einem offenen Gespräch mit meinem Nächsten oder irgendwo, wo sein Wort nötig ist. Eine Lebenskrise, die Tiefe des Lebens, durchschreiten wir im Leiden und in der Hoffnung auf die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus. In der Nachfolge haben wir Anteil an seinem Leiden. Am tiefsten Punkt, dem Tod am Kreuz, hat Gott seinen geliebten Sohn für uns gegeben und ist selbst in ihm gestorben. In der Tiefe des Lebens ist Gott uns nah. In der Tiefe haben wir durch unseren Glauben Anteil am Heil. Gottes Wort wirkt und ist unser aller Heil. Nachfolge ist ein harmonischer Dreiklang im Herzen:
•    Am Anfang ist das Wort,
•    gefolgt von der Antwort,
•    gefolgt von der Verantwortung

Gott hat uns sein Wort gegeben – dir und mir. In seinem Wort ist Sinn; sein Wort ist Sinn. Wir hören auf sein Wort und bewahren es im Herzen. Mit unserer Antwort auf sein Wort bekennen wir uns zu ihm mit unserem Herzen. Wir vertrauen ihm unser Herz, unser Leben - uns ganz an. In unserer Verantwortung liegt es, seine Einladung anzunehmen und sein Wort wahrhaft und lebendig werden zu lassen. Nach seiner Gnade wird er unser Leben verändern. In seinem Sinn erfüllt sich das Wort und führt zum Heil.

Wort, Antwort, Verantwortung – Dreiklang im Leben. Ein Umzug in die Stadt bringt der Freundin einen Neuanfang – ein neuer Freundeskreis und ihre neuen Hobbies machen sie zuversichtlich und neugierig auf den Weg in die Zukunft. Gespräche in der aktuellen Schule führen zu keinem Ziel. Das Schulkind wechselt zeitnah auf eine andere Schule, die christliche Werte lebt und das Kind blüht wieder auf. In einem Klosteraufenthalt erfährt der Manager in Gesprächen wie heilend Worte –empfangend und schenkend - sind. Er arbeitet weiter in seinem Job, reduziert sein Berufsleben auf ein sinnvolles Maß und geht seiner Berufung der Seelsorge mit ganzem Herzen nach. Krankheit und berufliche Krisen führen Hape Kerkeling auf dem Lebensweg zu seinem persönlichen Glaubensweg. Man sagt: Pilgern ist Beten mit den Füßen. Auf dem Jakobsweg wird seine Beziehung zu Gott neu definiert, so dass sich seine berufliche Ausrichtung und sein Leben verändern. "Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm (Jesus) nach." Jesus Christus lädt jeden von uns in seine Nachfolge ein. Er lädt uns ein, den neuen Weg mit ihm zu gehen. Nur durch Jesus Christus gelangen wir in der Nachfolge zu Gott. Wir sind alle eingeladen!

Amen

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Dr. Rolf Kluge
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