Veröffentlicht am Sa., 11. Jul. 2015 10:00 Uhr
AWO Seniorenheim Landshut, Lektor Dr. Rolf Kluge

Predigt zu Mt 13, 45-46

--- Es gilt das gesprochene Wort. ---

"Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte, und als er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie."

Herr, segne unser Reden und Hören durch deinen Heiligen Geist. Amen

I. Der verborgene Schatz

Liebe Gemeinde!

In den Ferien fahren wir als Familie, meine Frau und meine beiden Töchter und ich, meine Mutter oder kurz die Oma gerne im Norden besuchen. Es ist eine lange Reise in den Norden – 10 Stunden Fahrt mit dem Auto. Unsere Oma freut sich immer sehr, wenn wir alle sie besuchen. Wir sprechen dann viel über alte Zeiten: die Oma erzählt ihren Enkeln gerne die tollen Geschichten aus ihrer Jugend. Diesmal holt sie bei einer Geschichte ein Schmuckkästchen hervor: ihre Schatzkiste. Sofort wollen die Kinder wissen, was für ein Schatz darin verborgen ist. Sie öffnet die Kiste langsam und darin liegt eine wunderschöne Perlenkette. Jede einzelne Perle funkelt und strahlt toller als die andere. Jede Perle ist einzigartig. Dann erzählt die Oma uns von den tollen Festen und Feiern, bei der sie diese einzigartige Perlenkette getragen hat.

II. Perlen sind wie ein Himmelreich

Jesus erzählt in seinem Gleichnis auch von einer kostbaren Perle und dem Himmelreich Gottes. "Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte, und als er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie." In diesem Gleichnis vergleicht Jesus das Himmelreich mit einer Perle. Perlen, wie ich sie ihnen heute mitgebracht habe. Damen und Herren putzen sich heraus und machen sich schön, wenn sie ausgehen. Sie tragen wunderschöne Schmuckstücke, die mit Edelsteinen besetzt sind. Häufig sind es Perlen oder Diamanten. Ich habe mal einen Juwelier gefragt, was für ihn wertvoller ist: eine Perle oder ein Diamant. So ein Juwelier ist ein Fachmann und wird sicherlich wissen, was wertvoller ist. Er erklärt mir, dass die Antwort doch klar sei: der Diamant. (Diamant: „Pink Star“ ca. 60 Karat, Rohdiamant 132,5; ca. 62 Mio.€;1 ct = 0,2 g) Der Wert eines Diamanten richtet sich nach Gewicht, Reinheit, Farbe und Schliff. (Anmerkung 4C carat, clarity, color, cut).

Das Gewicht kann man mit einer Waage bestimmen. Mit einer Lupe kann er feststellen, ob es Einschlüsse oder Unreinheiten in dem Edelsten gibt. Die Farbe lässt sich anhand einer Skala beurteilen. Als letztes Kriterium zählt dann noch der Schliff. Der Schliff, die hoch präzise mechanischen Bearbeitung durch den Menschen, damit der Diamant seine Facetten bekommt. Beim Schleifen geht viel an Material, viel seiner Natur verloren. Nach diesen Kriterien wird die Güte des Diamanten beurteilt. Sein Erscheinen und endgültiger Charakter und damit der größte Teil seines Wertes hängt vom Menschen ab. Und auch beim Reich Gottes können wir mit menschlicher Arbeit nicht den Wert seines Reiches steigern. So vollkommen und schön ist es! Deshalb hat Jesus das Himmelreich nicht mit einem iamanten, sondern mit einer Perle verglichen. Die Perle ist der einzige natürliche Edelstein, der noch wertvoller ist, wenn er gefunden wird. Klein und doch ganz groß - eine Perle. Gott hat uns die Perle mit seiner Schöpfung geschenkt. Eine Perle entwickelt sich ohne unser Dazutun - von ganz allein, z.B. wenn ein Sandkorn in eine Muschel gelangt. Ein Sandkorn hat Ecken und Kanten und kann manchmal scharfkantig sein. Aber anstatt diesen fremden Körper abzustoßen, passiert in der Natur etwas Wunderbares. Die Muschel umschließt dieses Sandkorn mit Perlmutt, also mit ihrem eigenen Körper und erschafft dadurch eine Perle der Natur. Gott macht es mit uns genauso: er verwandelt uns zu Perlen, in dem er uns mit seinem eigenen Körper umkleidet – mit Jesus. "Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen." (Gal 3,27)

Im Glauben an Jesus Christus ist er stets bei uns und wir bei ihm. Er ist auch bei uns, wenn wir es nicht vermuten - er ist immer da. Er ist bei uns wenn wir am Morgen aufstehen, Mittagessen und auch wenn wir zu Bett gehen. Er ist uns ganz nah und berührt uns. Hier im Gottesdienst oder im Gebet. Er ist bei uns in Gedanken an  ihn und in der Stille. Er spricht uns zu: "Du bist wertvoll in meinen Augen, kostbar und einmalig." (Jes.43,4)

Aus einem Sandkorn wird eine Perle. Diese Verwandlung geschieht kontinuierlich: Stück für Stück. Von außen bekommt keiner etwas davon mit. Außen bleibt die Muschel immer gleich: hart, dunkel und hat eine raue Oberfläche. Die Verwandlung passiert im Inneren, im Herzen der Muscheln. Es entsteht langsam, nach und nach eine Perle: Ein Wunder der Schöpfung mit ihrer Form und ihrem Glanz. Eine Perle im Sonnenlicht schillert wie ein Regenbogen. Die Farben glänzen prächtig. Es sind viele Farben, unendlich viele Farben, die diese Schönheit ausmachen. Gott hat uns als Zeichen den Regenbogen in den Himmel geschrieben. Er ist ein Zeichen des Bundes zwischen Gott und seiner Schöpfung. Eine Zusage der unendlichen Liebe von Gott zu dir und zu mir. Im Glanz der Perle scheint seine Herrlichkeit auf und ist uns Gott nah. In der Perle können wir sein Himmelreich erahnen. Die Perle ist einfach eine runde Sache – wie ein Kreis oder eine Kugel. Anfang und Ende sind in Einem bei einer Kugel vereint. Wie bei einer Perle führen Anfang und Ende zu Gott. Und wir sind im Glauben mit Gott und seinem Reich vereint gestern, heute und in Ewigkeit.

III. Perlen des Glaubens

Der Tag geht zu Ende und so auch der Besuch bei der Oma. Es waren wieder schöne Stunden der Geborgenheit. Die Enkelkinder strahlen die Oma glücklich an und flüstern ihr zum Abschied etwas ins Ohr: „Du Oma, daheim haben wir auch eine Perlenkette. Wir verraten dir ein Geheimnis: es sind die Perlen des Glaubens!

Großer Gott, Schöpfer der Herrlichkeit,
Du nimmst uns an, dass wir in Liebe bei dir geborgen sind.
Du bist uns nah, dass wir jeden Tag deine glänzende Schöpfung erleben dürfen.
Du bist für uns da, dass wir teilhaben am Reich Gottes – gestern, heute und in Ewigkeit.

Amen

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Dr. Rolf Kluge
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