Veröffentlicht am Sa., 12. Dez. 2015 10:00 Uhr
AWO Seniorenheim Landshut, Lektor Dr. Rolf Kluge

Predigt zu Jakobus 5, 7-8

"So seid nun geduldig, liebe Brüder, bis zum Kommen des Herrn. Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Frühregen und Spätregen. Seid auch ihr geduldig und stärkt eure Herzen; denn das Kommen des Herrn ist nahe."

--- Es gilt das gesprochene Wort. ---

Herr, segne unser Reden und Hören durch deinen Heiligen Geist. Amen.

I.

Liebe Gemeinde!

Tannenbäume und glänzende  Lichter bestimmen diese Zeit. Wunderbare Düfte und Klänge liegen in der Luft. Im Wind tanzen leicht die Schneeflocken. Ein kleiner Junge steht draußen in der eisigen Kälte. Seine Augen blicken immer wieder in die eine Richtung. Er denkt sich: von dort muss er kommen! In diesem Augenblick breitet sich Freude auf seinem Gesicht. Ein Lachen verzaubert sein Gesicht. Er spürt die Wärme, die sich bei dem Gedanken in seinem ganzen Körper ausbreitet. Der Junge ist aufgeregt. Er steht am Gleis und wartet auf das Ankommen des Zuges und kann es kaum abwarten. Wie lange mag es noch dauern? Er schaut auf seine Uhr und vergleicht sie mit der Anzeigetafel. Die Zeit stimmt. Die Ankunft ist nah. Er wartet nicht auf irgendeinen Zug. Es ist dieser Zug, auf den er schon mit Sehnsucht viele Tage in diesem Advent wartet. Seine Eltern sagen immer wieder zu ihm: „Er wird bald kommen. Du musst Geduld haben. Du kannst in der Zeit ja schon einmal alles vorbereiten.“

Zeit des Wartens.  Zeit der Geduld. Zeit der Sehnsucht. Advent!

II.

Im Advent warten wir auf die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus. Es ist eine Zeit der Vorbereitung und des Wartens. Warten bestimmt immer wieder unser Leben. Im Advent warten die Kinder darauf, dass sie die nächste Tür im Adventskalender öffnen dürfen. Tag für Tag, Tür für Tür kommen sie dem Christfest näher. Als Kinder warten wir - und viele von uns auch später - auf unseren Geburtstag und die schönen Geschenke. Das ist ein Grund zum Feiern. Ein besonderes Ereignis im Leben. Als Erwachsene warten wir z.B. auf die Geburt eines Kindes: des eigenen Kindes oder auch des Enkelkindes. Wir bereiten alles vor bis es endlich ankommt. Vorfreude macht sich breit. Ich kann mir vorstellen, dass sie alle hier in ihrem alltäglichen Leben warten:

•           auf ein köstliches Essen im geselligen Kreis.

Vielleicht warten einige von ihnen auch auf das Abendessen.

•           darauf, dass Schmerzen sich lindern oder ganz vergehen
•           auf das Ende einer Krankheit – das die Heilung naht.
•           auf einen Besuch, den sie von ihren Lieben bekommen.
•           auf eine Nachricht, die den Frieden in dieser Welt verkündet.

Heute: auf den Beginn eines schönen Gottesdienstes im Advent. Warten nimmt einen großen Teil in unserem Leben ein. Mit jedem Warten kann ein Stück Hoffnung in Erfüllung gehen.

Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde […].

Zeit des Wartens.  Zeit der Geduld. Zeit der Sehnsucht. Advent!

III.

Advent ist die Zeit der Ruhe, die stade Zeit. Wenn ich in dieser Zeit warte, dann steigen Spannungen in mir auf - Freude und Unsicherheit. Unsicherheit, da ich nicht absehen kann, ob alles in Erfüllung gehen wird. Als Kind konnte ich mir nie sicher sein, ob meine vielen Wünsche als Geschenke erfüllt werden. Manchmal möchte ich dann nicht mehr warten! Meine Geduld wird auf eine harte Probe gestellt. Freude: Im Advent freue ich mich auch heute wie ein Kind. Ich kann es kaum abwarten. Mit der Zeit und Geduld wird meine Freude größer. In jungen Jahren stehen vielleicht die vielen Geschenke beim Christfest im Vordergrund. Heute - älter - freue ich mich über das einzigartige Geschenk und die frohe Botschaft, die Gott uns allen macht. In Geduld kann ich es erwarten. Es ist ein unendlich kostbares Geschenk,

•           dass Gott in Jesus Christus Mensch wird.
•           dass Gott zu uns auf die Erde kommt.
•           dass Gott uns in Christus das Leben und Heil bringt.

Gott hält für seine Kinder – für uns – dieses kostbare Geschenk bereit. Wir dürfen uns beschenken lassen. Es liegt an uns unsere Tür zum Herzen zu öffnen, ihn einziehen zu lassen und ihn anzunehmen – heute, morgen und bis zu seinem Wiederkommen.

So seid nun geduldig, liebe Brüder,
bis zum Kommen des Herrn.

Zeit des Wartens.  Zeit der Geduld. Zeit der Sehnsucht. Advent!

IV.

Ein kleiner Junge steht in der eisigen Kälte. Seine Augen blicken immer wieder sehnsüchtig in die eine Richtung. Plötzlich schlägt sein Herz schneller und er sieht in einiger Entfernung ein helles Licht. Es wirft seinen herrlichen Schein voraus und erhellt die Dunkelheit. Er kommt! Ein leises Brausen oder Wogen dringt an sein Ohr. Es wird langsam lauter. Er kommt!

Seid auch ihr geduldig und stärkt eure Herzen;
denn das Kommen des Herrn ist nahe.

Tannenbäume und glänzende  Lichter bestimmen die Welt. Wunderbare Klänge und Düfte liegen in der Luft. Seht die gute Zeit ist nah, Gott kommt auf die Erde.

Amen

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Dr. Rolf Kluge
Lektor

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