Veröffentlicht am So., 24. Jan. 2016 00:00 Uhr
Jakobuskirche Ast, Lektor Dr. Rolf Kluge

Predigt zu 1. Korinther 9, 24-27

"Wisst ihr nicht, dass die, die in der Kampfbahn laufen, die laufen alle, aber einer empfängt den Siegespreis? Lauft so, dass ihr ihn erlangt. Jeder aber, der kämpft, enthält sich aller Dinge; jene nun, damit sie einen vergänglichen Kranz empfangen, wir aber einen unvergänglichen. Ich aber laufe nicht wie aufs Ungewisse; ich kämpfe mit der Faust, nicht wie einer, der in die Luft schlägt, sondern ich bezwinge meinen Leib und zähme ihn, damit ich nicht andern predige und selbst verwerflich werde."

--- Es gilt das gesprochene Wort. ---

Herr, segne unser Reden und Hören durch deinen Heiligen Geist. Amen.

I.

Liebe Gemeinde!

Sportteil der Landshuter Zeitung am 06. August 2016

Spektakulär und schrill, aber auch besinnlich und anrührend – unter dem Motto „Lebe deine Leidenschaft“ präsentierte gestern sich Brasilien in der Eröffnungsfeier der XXXI. Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro. Die Zuschauer im Stadion und bis zu vier Milliarden Menschen weltweit vor den TV-Geräten ließen sich am Freitagabend von einer temperamentvollen Show verzaubern, bei der Tradition und Moderne in bunten Bildern miteinander verschmolzen. Nach der olympischen Auftaktparty gehören jetzt die Wettkampfarenen bis zum 21. August den Sportlern, die in mehr als 300 Wettbewerben um Gold, Silber und Bronze kämpfen.
Vergleichbare Bilder über die weit bekannten und bedeutenden Isthmischen Spiele hatte Paulus sicherlich vor den Augen als er Folgendes schrieb:

Wisst ihr nicht, dass die, die in der Kampfbahn laufen, die laufen alle, aber einer empfängt den Siegespreis? Lauft so, dass ihr ihn erlangt. Jeder aber, der kämpft, enthält sich aller Dinge; jene nun, damit sie einen vergänglichen Kranz empfangen, wir aber einen unvergänglichen. Ich aber laufe nicht wie aufs Ungewisse; ich kämpfe mit der Faust, nicht wie einer, der in die Luft schlägt, sondern ich bezwinge meinen Leib und zähme ihn, damit ich nicht andern predige und selbst verwerflich werde.

Der Wettlauf: Vom Start weg – ins Ziel – zum Siegespreis!

II.

Im Stadion von Isthmia begeben sich jetzt die 12 Läufer an den Start. 12.000 Zuschauer jubeln begeistert. Die Läufer sind hoch konzentriert. Anspannung liegt in der Luft. Ihre Blicke verraten: „10 Monate voller Anstrengung und Leiden, zurückgezogen, nur Training. Das muss sich lohnen! – Die anderen Wettbewerber sind sehr stark. Das wird ein wahrer Kampf. Ich will den Siegespreis! – Gleich kommt der Start. Das Ziel ist klar!“

Lauft so, dass ihr ihn erlangt.

Vom Start weg: Jeder startet –  zunehmend auch mehrfach im Leben. Wir starten  z.B. am Morgen in den Tag, in den Kindergarten, in der Schule, in der Ausbildung, nach einem Umzug, bei einem Arbeitgeberwechsel oder auch beim Wechsel in den Ruhestand  – immer wieder starten wir neu im Leben.

Doch beim Start können auch Ängste und Sorgen aufkommen:

Was wird heute auf mich zukommen?
Wie die Kinder in der neuen Klasse oder meine neuen Arbeitskollegen sind?
Was mache ich nur im Ruhestand?
Bin ich gut Vorbereitet für den nächsten Schritt?
Wenn Unbekanntes oder ein möglicherweise beschwerlicher Weg vor einem liegt, suchen viele von uns nach Halt. Sie suchen nach jemandem mit dem sie reden können, nach einem dem sie sich anvertrauen können.

Mit der Taufe bietet sich Gott uns als Begleiter vom Start weg an. Gott ist unser Begleiter – wie schön, ER läuft mit uns!

Gott ist bei uns wie eine Mutter:  liebevoll, mal tröstend, mal Mut zusprechend. Gott ist bei uns wie ein Vater: als Retter in der Not, wenn die Lage ausweglos erscheint;
ER gibt mir die Kraft, wenn ich sie brauche. Bestätigung dafür und „Neustart“ erfahren wir auch an konkreten Tagen wie Konfirmationen oder Hochzeit.

Gott bietet mir auf dem Weg Schutz und Geborgenheit. In der Stille oder im Gebet können wir ihm immer und überall unser Herz öffnen, ihm anvertrauen und alles vor ihn bringen. Wir dürfen auf seine Gnade bauen, uns seiner Liebe anvertrauen,
mit ihm starten und durchstarten.

Gott ist vom Start weg bei uns – an jedem neuen Tag!

Lauft so, dass ihr ihn erlangt.

Auf die Plätze – fertig – los … das Ziel im Blick.

III.

Vom Start weg – ins Ziel: Start und Ziel – Anfang und Ende - zwei wichtige Punkte und dazwischen ist ein Weg. Ein Weg …

Ein Weg – mal schmal oder weit; mal steinig oder eben.
Ein Weg – mal flach oder steil; mal gerade oder kurvig.
Der Weg – vielfältig wie das reale Leben.
Viele Menschen haben den Anspruch, dass Dinge am besten ideal, einfach und gerade verlaufen mögen. Wenn man einen Personalberater fragt, dann sollten Lebensläufe am besten linear und gleichmäßig sein; weicht man ab, ist es meistens negativ.

Ob im Wettlauf oder Lebenslauf, …
die Wirklichkeit ist alles andere als linear und gleichmäßig:

Manchmal laufe ich schneller und schneller, kein Blick zurück, bin ganz vorn, dann evtl. zu schnell, dass es schmerzt; ich übersehe Steine, stolpere und falle. Ich falle zurück.
Manchmal laufe ich, kämpfe um jeden Meter. Ich habe nur den Siegeskranz im Kopf – kein Blick zurück, ich übersehe Mitläufer oder meinen Nächsten.
Manchmal laufe ich bei Wind und Wetter. Es kostet mich viel Kraft - ich nehme Umwege bzw. Zeit zum Atem holen.
Wettlauf oder Lebenslauf: Realität ist nichtlinear dynamisch!

Ich aber laufe nicht wie aufs Ungewisse.

Wir dürfen auf Gott vertrauen. Er liebt seine Welt und ER liebt uns, so wie wir sind. Unsere Abweichungen im Leben beurteilt ER mit einem liebevollen Blick. Abweichungen im Leben sind unsere liebevollen Kurven in der Beziehung zu ihm.

ER wird uns helfen, leiten und führen mit: …

mit Trost und Zuversicht, schwere Zeiten durchzustehen, nicht aufzugeben. Wenn wir traurig sind, ist Gott uns nah. ER zeigt uns den nächsten Schritt.
mit Transparenz und Orientierung, das wahre Ziel zu sehen. Im Unruhestand hilft jemand ehrenamtlich bei der „Tafel“ oder kümmert sich um Asylsuchende im „Kaffee ohne Grenzen“, damit auch sie eine Perspektive haben. Er ist zufrieden, denn seine Lebenszeit ist wieder mit Sinn gefüllt.
mit Mut und Kraft, neue Wege oder den nächsten Schritt zu gehen. Mit einem Sonnenstrahl am frühen Morgen oder mit einem Lächeln der Kassiererin schenkt Gott uns neue Kraft, den Tag mit ihm zu beginnen.
Lauft so, dass ihr ihn erlangt.

Häufig wird erst im Rückblick klar, dass Gott in einem Leben eingegriffen hat. Erst im Rückblick werden sein Wirken und die gemachten Erfahrungen mit Gott deutlich.

IV.

Vom Start weg – ins Ziel – zum Siegespreis!

Isthmia: Der Lauf ist vorbei – lebendig, voller Leidenschaft bis zum Ziel. Der Sieg ist hart umkämpft –  heute würde man vom „Fotofinish“ sprechen.

[…]die in der Kampfbahn laufen, die laufen alle
aber einer empfängt den Siegespreis?

Wir alle laufen auf der Lebensbahn! Im Zieleinlauf sind es die Kampfrichter, die über uns richten und urteilen, wer von uns den Preis bekommt. Doch nur Gott sieht unser „ganzes“ Leben von Start bis ins Ziel.

ER führt uns zum wahren Sieg.
ER sieht alles, nicht nur den letzten Schritt.
ER bewertet alles und richtet mit seiner unendlichen Liebe.
Deshalb dürfen wir ihm auch beim Lohn, dem Siegespreis vertrauen. Gott lässt uns gewinnen!

Im Wettlauf ist der Siegespreis ein vergänglicher Fichtenkranz. Alles Gold, Silber, Bronze – in Isthmia auch Ruhm und Ehr verblassen mit der Zeit, ruhig wird’s. Was bleibt?

 […] jene nun, damit sie einen vergänglichen Kranz empfangen
wir aber einen unvergänglichen.

Im Ziel dürfen wir aus Gottes Gnade den unvergänglichen Siegespreis empfangen.

ER empfängt uns mit offenen Armen. Liebevoll umschließen sie uns und geben uns neue Kraft. Er ist die Quelle des lebendigen Wassers und stillt unseren Durst. ER erfüllt uns mit neuem Atem, die nächsten Schritte zu gehen – mit ihm.

Was für ein Siegespreis! Das ewige Leben bei Gott!

V.

Sportteil der Landshuter Zeitung am 22. August 2016

„Lebe deine Leidenschaft“ – so endeten gestern in einem großen Finale die XXXI. Olympischen Sommerspiele. Medaillen in Gold, Silber und Bronze sind vergeben. Doch was wären diese Spiele und Wettkämpfe ohne die Leidenschaft, Freude und Lebendigkeit? Vorn dabei oder zu guter Letzt – dieser Sieg ist nicht bedeutend, sondern mit dem Herzen dabei zu sein. Mit dem Herzen bei Gott sein. Dabei sein ist alles.

Amen

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Dr. Rolf Kluge
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