Veröffentlicht am Do., 1. Jan. 2015 10:00 Uhr
Jakobuskirche Ast, KR Oliver Spilker

Predigt zu Jakobus 4, 13-15

--- Es gilt das gesprochene Wort. ---

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen

Liebe Gemeinde,

„wenn ihr Gott zum Lachen bringen wollt, erzählt ihm eure Pläne.“

An diesen Spruch musste ich denken, als ich unseren Predigttext zum ersten Mal las. Und an einen anderen von John Lennon: „Leben ist das was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.“ Und ein dritter: „Der Mensch denkt sich seinen Weg, aber der Herr lenkt seinen Schritt.“ Das steht in Sprüche 16.

Unser Predigttext steht im Jakobusbrief, Kapitel 4, 13-15:

„Und nun ihr, die ihr sagt: Heute oder morgen wollen wir in die oder die Stadt gehen und wollen ein Jahr dort zubringen und Handel treiben und Gewinn machen, und wisst nicht, was morgen sein wird. Was ist eurer Leben? Ein Rausch seid ihr, der eine kleine Zeit bleibt, und dann verschwindet. Dagegen sollt ihr sagen: Wenn der HERR will, werden wir leben und dies oder das tun.“

Das liebe Gemeinde ist auf den ersten Blick ziemlich ernüchternd, gerade am Neujahrestag. Haben Sie sich Pläne gemacht gestern abend? Haben Sie sich was vorgenommen? Haben Sie Ziele für das Jahr 2015? Mit dem Rauchen aufhören  ist so ein klassisches Neujahresziel, oder in der Wirtschaft: wir steigern im neuen Jahr unsere Produktion um weitere 5 Prozent. Zu DDR Zeiten gab es 5 oder gar 10 Jahrespläne. Junge Paare planen ein Haus, einen Umzug, ein Kind. Nächstes Jahr wird alles besser. Und das nächste Jahr fängt heute an.... an diesem Tag. 1. Januar. Jeder von uns hat was vor, jeder macht Pläne und jeder von uns hat schon erlebt, wie das Leben anders verläuft als geplant.

In dem Gottesdienst, den ich dieses Jahr am Heiligen Abend in meiner Heimatstadt Herford besucht habe, bricht kurz nach dem Segen zwei Reihen vor mir eine junge Frau zusammen. Die Orgel hat schon zum Nachspiel angesetzt, Menschen um sie herum legen sie auf die Bank, Beine hoch, die Frau kreidebleich. Hilfe muß her, ein Mann stürzt nach vorne, vielleicht ein Arzt.   Vielleicht nur ein Schwächeanfall, vielleicht mehr? Die Frau fängt sich wieder, und wird gestützt auf zwei Schultern in die Sakristei geführt.

Sicher hat sie sich ihren Heilig abend auch anders vorgestellt. Hat vielleicht ein schönes Essen geplant, eine Bescherung mit der Familie. Und jetzt? Ich bete an diesem Abend für diese unbekannte Frau. Ernüchternd, habe ich eingangs gesagt, ist unser Predigttext: „Ein Rauch“ seit ihr, heißt es da und „was ist eurer Leben“ Wenn der Herr will, werden wir leben und dies oder das tun.“ Und ich ergänze: Wenn der Herr nicht will, dann eben nicht. Das klingt aber eher nach nordkoreanischer Diktatur als nach protestantischer Freiheit: Du kannst planen – aber ob du deine Pläne auch verwirklichen kannst, das hast du nicht mehr in der Hand. Und auch  der Spruch: Der Mensch denkt, Gott lenkt, beruhigt mich hier nicht wirklich. Da bin ich nämlich ganz schnell bei der Frage nach dem guten Gott im Angesicht des Leids der Welt. Gott lenkt?

In Shanghai in der Silvesternacht nach letztem Stand: 36 Tote bei einer Massenpanik. Es klingt alles sehr  fatalistisch. Gerade so, als ob wir aufhören sollen zu planen weil sowieso alles vorherbestimmt ist und ich mich in ein von Gott bestimmtes Schicksal zu fügen habe? Ich denke, so würden wir der biblischen Botschaft nicht gerecht:  Zur Freiheit hat uns Christus berufen und das gilt: Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde... und Gott sprach: Macht euch die Erde untertan....! Das heißt: Ich schenke euch die Freiheit! Tut was. Handelt. Es liegt an euch! Ihr seit verantwortlich, weil ihr in der Lage seit zu handeln, weil ihr frei seit, eurer Leben zu gestalten, wie ihr es wollt und für richtig haltet. Ihr könnt es zum Nutzen oder zum Schaden der Welt, der Natur, der Mitgeschöpfe, eurer selbst tun. Und wenn wir die Flüsse vergiften dann sind wir es, nicht Gott. Und wenn wir uns entscheiden für einen Beruf, dann entscheiden wir uns dafür, nicht Gott. Wir sind frei.

Aber in dieser Freiheit meinen wir Menschen, wir könnten alles und wir dürften alles. Und da setzt unser Text ein und sagt: Stopp. Bleibt auf dem Boden, verfallt nicht in Größenwahn und baut keine Türme zu Babel in den Himmel. Denkt daran dass ihr selbst nur eine kleine Zeit hier herumlauft und dann „verschwindet“.... ein nicht sehr angenehmer Gedanke. Eurer Planung sind Grenzen gesetzt. Und wir merken gerade, dass unsere Gesellschaften immer wieder an solche Grenzen stoßen: Ein Überschallflugzeug gab es schon.... das war wohl eine Nummer zu groß für die zivile Luftfahrt.

Auch der Hauptstadtflughafen scheint eine Nummer zu groß zu sein. Irgendwann ist Schluss mit dem immer mehr immer höher, immer besser. Da tut es gut, daran erinnert zu werden, wie begrenzt  unsere Zeit hier unten ist und dass wir eben nicht alles machen können: Ein Kind kann man planen – aber es bleibt Geschenk von oben oder eben auch nicht. Einen Urlaub kann man planen – aber so mancher musste die Reise abbrechen, weil er krank wurde... Aber niemand würde auf den Gedanken kommen, deshalb keinen Urlaub mehr zu planen. Und der Tod eines Menschen? Von Hanns Dieter Hüsch stammt der Satz „Gottes Termine stehen nicht in unserem Kalender“. Nein, wir können nicht alles planen.

Aber  Katastrophen wie die in Schanghai weigere ich mich als von Gott gegebenes Schicksal anzuerkennen. Das kann ich diesem Gott nur klagen und darauf vertrauen, dass er dieses Klagen und meine offenen Fragen aushält. Aber als Christ weiß ich auch und dennoch mein ganzes Leben in Gottes Hand. Und gerade am Anfang des neuen Jahres ist mir ein Wort wichtig: Vertrauen. Ich vertraue auf diesen Gott, der meine Pläne kennt und mir die Freiheit geschenkt hat, sie zu machen und anzugehen. Dieser Gott schenkt mir dieses neue Jahr und ich weiß nicht ob ich alles verwirkliche, was ich mir vornehme. Aber ich glaube: Das ist egal, denn wie auch immer mein Leben verläuft, es ist und bleibt in dieser liebenden Hand meines Gottes. Und ich entdecke diese Hand manchmal, wenn ich spüre: Das kann jetzt kein Zufall sein, dass mir dieses oder jenes jetzt gerade passiert.

Ich weiß mich begleitet. Und in dem Wort Begleitung steckt auch das Wort Leitung. Der Jakobusbrief hat Recht: Wir wissen nicht, was morgen sein wird. Und das kann uns unruhig machen oder gelassen: Denn was wir glauben dürfen ist dieses: Was auch immer kommt, wir werden gehalten. Und so unverständlich und widersprüchlich es auch klingen mag: Ich glaube, dass auch die Menschen in Shanghai von diesem Gott gehaltene sind – auch im Tod. Nicht tiefer fallen, als in Gottes Hand, heißt es...

Und wir persönlich? Nicht nur voll Tatendrang, auch mit Sorge blicken wir nach vorne: Werde ich gesund bleiben? Gesund werden? Werde ich meine Arbeit behalten? Werde ich  einen lieben Menschen endlich wiedersehen? Wie wird mein Jahr verlaufen? Wie wird es enden? Ein Wort des Vertrauens möchte ich uns dazu noch mit in dieses Jahr geben. Es ist die Zusage Gottes an  Josua, den Nachfolger von Mose,  kurz bevor er die Israeliten in das völlig unbekannte Land Kanaan führt und wir haben es eben in der Lesung bereits gehört, Es ist ein Wort der Freiheit und der Zuversicht, ein Wort dass Mut macht zum Handeln und Gelassen zum Ertragen von dem, was uns erwartet: „Siehe ich habe dir geboten, dass du getrost und unverzagt seist. Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der Herr dein Gott ist mit dir in allem was du tun wirst.“              

Amen

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

KR Oliver Spilker
Religionspädagoge

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