Veröffentlicht am Mi., 6. Jan. 2016 10:00 Uhr
Christuskirche Landshut, Dr. Matthias Sachsenweger

Predigt zu Epheser 3, 2-3a und 5-6

--- Es gilt das gesprochene Wort. ---

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen

Liebe Gemeinde,

heute feiern wir "Epiphanias", das Fest der Erscheinung des Herrn. Gott ist Mensch geworden in jenem Kind in der Krippe, dessen Geburt wir vor wenigen Tagen bejubelt haben. Wir bewundern den großen Gott, der klein wird, unseretwegen klein wird, ganz anders als wir Menschen, die groß sein wollen. Gott ist Mensch geworden. Oder andersherum: wir erkennen Gott in diesem Menschen Jesus von Nazareth, den wir als den Christus, zu deutsch: "den Gesalbten" Gottes bekennen. Und wir wissen unseren Weg zu Gott durch diesen Christus, der für uns am Kreuz gestorben ist und uns somit von der Sündenlast befreit hat.

All das haben wir gerade im Glaubensbekenntnis bezeugt. Es sind die Grundlagen unseres Glaubens - daran muss sich alle Lehre, die sich weiter entfaltet, messen lassen. J.C. sagt selbst über sich im Johannesevangelium: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater denn durch mich.“

Wie geht es Ihnen mit solchen Aussagen? Kommen Sie noch dazu, darüber nachzudenken ? Leben Sie tatsächlich so, dass Sie als Wahrheit nichts anderes gelten lassen, als Jesus Christus, den Gekreuzigten? Ich weiß, liebe Gemeinde, das sind sehr schwere Fragen zu Anfang des Jahres, die ich Ihnen hier zumute! Aber mit anderen Inhalten lässt sich dieses Fest der Erscheinung Gottes nicht füllen. Denn es ist nicht der „Tag der Heiligen 3 Könige“. Übrigens spricht Luther nicht von Königen sondern von den Weisen, und im Urtext der Bibel heißen die Könige sogar nur Magier. Wenn überhaupt dann können diese Weisen aus dem Morgenlande nur dazu dienen, wiederum auf Christus hinzuweisen. Denn sie haben ja aus den Sternen die Ankunft des Weltenherrschers heraus gedeutet und sich dann tatsächlich aufgemacht, diesen zu suchen. Und: sie haben ihn schließlich gefunden - den Herrn der Welt. Also noch einmal: Lassen Sie etwas anderes als Wahrheit für Ihr Leben gelten als C.J. ? Was hat Priorität ?

Ich weiß, dass viele Menschen in den Sternen oder in anderen Dingen ihr Glück suchen oder noch mehr: ihr Heil. Aber gerade nach der Geschichte der „Heiligen 3 Könige“ wäre das eigentlich nicht mehr möglich: es gibt keinen anderen Herrscher neben unserem Gott. Hören wir dazu das Predigtwort für diesen Epiphanias- Tag aus dem Epheserbrief im dritten Kapitel:

Ihr habt gehört, welches Amt die Gnade Gottes mir für  euch gegeben hat: Durch Offenbarung ist mir das Geheimnis kundgemacht worden. Dies war in früheren Zeiten den Menschenkindern nicht kundgemacht, wie es jetzt offenbart ist seinen heiligen Aposteln und Propheten durch den Geist; nämlich dass die Heiden Miterben sind und mit zu seinem Leib gehören und Mitgenossen der Verheißung in Christus Jesus sind durch das Evangelium.

Es ist das Neue, liebe Gemeinde, an diesem Christentum, dass die Heiden mit einbezogen werden, so wie die Weisen aus dem Morgenland ja auch Heiden, also Nicht-Juden, waren. Denn das Christentum sieht Gott als Schöpfer aller Welt, aller Menschen. Er lässt seine Sonne aufgehen über die ganze Kreatur. Dann ist es nur logisch, dass alle zu diesem Gott einen Weg finden dürfen, ganz gleich aus welcher Richtung sie kommen, ganz gleich, welchen Geschlechts oder Hautfarbe sie sind, ganz gleich ob arm oder reich, Herr oder Knecht. Das alles wissen Sie, liebe Gemeinde, und in unserer Kirche ist dieses Ideal mehr oder weniger gut abgebildet: in den Kirchenvorstand etwa dürfen alle hinein, die ordentlich gewählt worden sind, unabhängig von all den Merkmalen, die ich eben aufgeführt habe.

Weil wir alle vor Gott stehen, sind wir in dieser Hinsicht alle gleich. Oder andersherum: Gott liebt jeden einzelnen Menschen, weil er jeden einzelnen Menschen geschaffen und bewahrt hat. Was aber fehlt und nun die Unterschiede zwischen uns begründet, ist die Antwort, die wir Menschen auf Gottes Liebe zu geben bereit sind.

Nehmen wir noch einmal die sogenannten "Heiligen Drei Könige": sie haben etwas aus der Deutung ihrer Wissenschaft heraus erkannt und lassen für sich Taten folgen. Sie machen sich auf den Weg, nehmen einiges in Kauf und suchen den Menschen, der ihnen in diesem Ereignis angekündigt worden ist. Sie werden fündig und huldigen ihm, erkennen in ihm den Herrscher der Welt. Sie bringen ihm: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Sie verehren ihn damit als Herrscher - dafür steht das Gold. Als oberster Priester - dafür steht der Weihrauch und als Arzt der Menschen - dafür steht die Myrrhe. Oder steht die Myrrhe für den Sterbenden am Kreuz ?  Thomas von Aquin, ein Theologe des Mittelalters, deutete die Gaben handfester und wirklichkeitsnäher: Gold für die Armut der Mutter, Myrrhe für die Gesundheit des Kindes und Weihrauch gegen den Gestank im Stall.

Menschen machen sich auf zu dieser Krippe und bekennen angesichts des Weihnachtserlebnisses, dass es Gott ist, dem sie ihr Leben verdanken und anvertrauen können. Nur dann macht es Sinn, wenn die Sternsinger auf die Türstöcke schreiben: C.M.B. = "christus mansionem benedicat: Christus segne dieses Haus"! Denn wenn Christus nicht der Herrscher wäre, würde ein solcher Wunsch vergeblich sein.

Gott wartet also auf unsere Antwort - die bekennende Antwort der Menschen auf seine Liebe zu uns. Er wartet in Geduld, so beschreibt es die Heilige Schrift und erklärt damit die Verzögerung bis zu seiner Wiederkunft als eine Zeit der Gnade, in welcher sich die Menschen zu ihm bekehren können. - Also den Weg finden, der tatsächlich für sie die Wahrheit und das Leben ist.

Uns, die wir Christus erkannt haben als Sohn Gottes und uns zu ihm bekennen, obliegt die Aufgabe, von diesem Evangelium Gottes zu erzählen, zu berichten. Nicht davon zu schweigen, was uns der Herr geworden ist, sondern dort, wo wir sind, auf diesen Gott hinzuweisen und zu bekennen: er ist der Herr meines Lebens. Und Sie wissen: die Zugänge zu diesem Gott sind so vielfältig, wie es die Bibel schon beschreibt. Wenn selbst Magier aus dem Osten, wenn selbst römische Soldaten am Kreuz, wenn selbst Dämonen bekennen können, dass dieser Christus Gottes Sohn ist, dann gibt es keinen Lebensbereich mehr, der davon ausgeschlossen wäre.

Der Mensch, der gerne in der Natur ist, - er kann darin Gottes Kraft erkennen. Der Mensch, der einen besonderen Zugang zur Musik hat, kann darin Gott erkennen. Der Mensch, der ganz in seiner sozialen Arbeit aufgeht, kann darin Gott erkennen. Darin wäre er zu vergleichen unseren "Heiligen Drei Königen". Dann aber muss er noch einen Schritt weiter gehen. Nicht nur erkennen, sondern bekennen. Und das Bekennen funktioniert nur in einer Gemeinschaft - ich erzähle meinem Nächsten von dem, was ich erlebt und für richtig erkannt habe. Ich benötige den Austausch, die Bestätigung und die Korrektur durch meinen Nächsten. Für alles brauche ich einen Bezug außerhalb meiner selbst, ein Gegenüber, eine Beziehung.

Zu Epiphanias wollen wir daran denken, dass wir als Christen diese Aufgabe haben: auf diese Beziehung zu Gott hinzuweisen. - Sie selbst zu leben. - Antwort zu geben in unserem Leben. Zum Schluss möchte ich Ihnen eine kleine Geschichte erzählen von der Bedeutung und den Gefahren dieses Tuns:

"An einer gefährlichen Küste machten vor Zeiten ein paar Leute eine Rettungsstation für Schiffbrüchige auf. Zu dieser Rettungsstation gehörte nur ein einziges Boot. Mit diesem wagte sich die kleine, mutige Mannschaft immer wieder, bei Tag und bei Nacht, auf das Meer hinaus, um Schiffbrüchige zu retten. Es dauerte nicht lange, bis dieser kleine Stützpunkt bald überall bekannt war. Viele der Geretteten und auch andere Leute aus der Umgebung waren gerne bereit, diese armselige Station mit Geld zu unterstützen. Die Zahl der Gönner wuchs und wuchs. Mit dem Geld, das sie spendeten, wurde die Rettungsstation großzügig ausgebaut, immer größer und komfortabler. Sie wurde allmählich zu einem beliebten Aufenthaltsort und diente schließlich den Männern als eine Art Clubhaus. Immer mehr Mannschaftsmitglieder weigerten sich nun, auszufahren und Schiffbrüchige zu retten.
Sie wollten den Rettungsdienst überhaupt einstellen, weil er unangenehm und dem normalen Clubbetrieb hinderlich war.  Ein paar Mutige, die den Standpunkt vertraten, dass Lebensrettung ihre vorrangige Aufgabe sei, trennten sich von ihnen. Nicht weit davon entfernt begannen sie, mit geringen Mitteln eine neue Rettungsstation aufzubauen. Aber auch sie erfuhr nach einiger Zeit dasselbe Schicksal: Ihr guter Ruf verbreitete sich schnell, es gab neue Gönner, und es entstand ein neues Clubhaus. So kam es dann schließlich zur Gründung einer dritten Rettungsstation. Doch auch hier wiederholte sich die gleiche Geschichte. … Wer heute diese Küste besucht, findet längs der Uferstraße eine beträchtliche Reihe exklusiver Clubs. Immer noch wird die Küste vielen Schiffen zum Verhängnis; nur - die meisten Schiffbrüchigen ertrinken.“

Amen

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Matthias Sachsenweger
Lektor

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