Veröffentlicht am So., 22. Mai. 2016 10:00 Uhr
Christuskirche Landshut, Pfarrer i.R. Christian Reich

Predigt zu Mk 12, 1-12

--- Es gilt das gesprochene Wort. ---

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen! Amen.

Liebe Gemeinde!

„Ein Mensch pflanzte einen Weinberg und zog einen Zaun darum und grub eine Kelter und baute einen Turm und verpachtete ihn an Weingärtner und ging außer Landes…“, so beginnt unser Gleichnis.

Wenn ich das Wort „Weinberg“ höre, dann kommt mir  meine Kindheit in Siebenbürgen in den Sinn. Meine Mutter kam aus einer Winzerfamilie mitten im siebenbürgischen Weinland, wo wir uns in den Schulferien oft aufhielten. Mit der mühevollen Arbeit eines Winzers waren wir vertraut.  Arbeiten im Weinberg und Keller, Arbeiten rund um den Weinstock: Graben, Düngen, Rebschnitt, Binden,  Laubarbeiten,  Spritzen, Veredeln,  Ernten und Keltern, Lagern in Holzfässern und den Keller schwefeln...

Wenn Sie heute einen Siebenbürger hier in Deutschland antreffen, der aus dem Kokeltaler Weinland stammt, dann hat der auch hier seinen Wein selbst gemacht mit den Trauben aus den Weingegenden Frankens, der Pfalz, von der Mosel (woher unsere siebenbürgischen Vorfahren ja stammen), vom Rheingau oder wie mein Bruder, aus dem badischen Kaiserstuhl.
Genug der Nostalgie! 

Der Mensch, der einen Weinberg pflanzt und mit dem in unserem Gleichnis natürlich Gott gemeint ist, gibt seinem Weinberg einen Zaun zum Schutz vor Wildfraß. Dazu wird eine Kelter gebaut und ein Turm. Und es werden Arbeiter in Gottes Weinberg eingesetzt, die als Hüter und Aufseher  dienen, und  bauen und bewahren und Früchte bringen sollen.

Wenn wir das heutige Gleichnis richtig verstehen möchten, dann sollten wir uns nicht von dem vielen Blut, das da fließt, ablenken lassen, sondern sollten uns einfach nur fragen, wozu es geschrieben wurde, welcher Gedanke darin steckt, der uns etwas zu sagen hat.
Um aber zu begreifen, müssen wir uns die Situation vergegenwärtigen, in der Jesus dieses Gleichnis vom Weinberg spricht. 

Jesus hat Galiläa verlassen und ist aus der Provinz ins Zentrum der Macht gelangt. Dort zieht sich das Netz seiner Feinde immer enger um ihn. Ständig kommt er mit den Hohepriester und Schriftgelehrten in Konflikt. Jesus wird für sie immer gefährlicher, je mehr er sich in ihren Machtbereich einmischt.
Jesus ist eben nicht nur der, der uns zur Nächstenliebe mahnt oder schmerzende Wunden heilt. Nein, Jesus ist auch der, der einmal die Geißel schwingt, der dort stark wird, wo Entscheidungen gefordert werden. Nämlich dort, wo die Frage ansteht: Zu wessen Macht bekennst du dich? Zur Macht der Mächtigen der Welt – oder zur wirklichen Macht, zur Macht Gottes, - zum Schöpfer und Herrscher über Leben und Tod.

Diese Geschichte ist auch unsere Geschichte und sie will uns genauso viel sagen, wie den Hohepriestern und den Menschen zur Zeit Jesu. 
Wo haben wir unseren Platz in diesem Gleichnis? 

Uns ist die Rolle der Arbeiter in Gottes Weinberg zugedacht. 
Wir sind die Pächter. Was wir haben und was wir sind, ist geliehen, nicht von uns geschaffen. Nackt kommen wir auf diese Erde, nackt gehen wir auch wieder, “…das letzte Hemd hat keine Taschen“. 
Und was von uns erwartet wird, sind „…die Früchte, an denen wir erkannt werden“, wie Jesus in der Bergpredigt sagt. 

Unseren Weinberg, den Gott für uns angelegt hat, kennen wir:
Das ist unser Leben, all die guten Voraussetzungen, die wir mitbekommen haben, unsere Gaben und Talente, die Chancen, der gute Start im Elternhaus, die Möglichkeit einen Beruf zu erlernen, unsere Beziehungen zu den Mitmenschen, die Liebe, die wir empfangen und schließlich auch all unser Hab und Gut, was wir sozusagen zu allem anderen noch hinzugefügt bekommen haben. Dazu gehören auch kulturelle und wirtschaftliche Dinge, vielleicht die deutschen Komponisten, Philosophen, Maler und Theologen, um die uns andere Völker beneiden. Und dass wir seit 1990 unverdient und überraschend wieder ein vereinigtes Deutschland haben und viele Grenzen gefallen sind und dass wir seit über sechs Jahrzehnten Frieden genießen können.
Und vergessen wir nicht die Gaben der Schöpfung, die anvertraute Erde, die Pflanzen und Tiere!

Um das alles herum hat Gott einen Zaun gezogen - nicht um uns einzuengen oder unsere Freiheit zu beschneiden, sondern um uns zu schützen. Vielleicht verstehen wir diesen „Zaun“ als das „Ja“ Gottes zu uns ganz persönlich. Vielleicht ist das sein erklärter Wille zu uns: Du sollst ein gutes, beschütztes Leben führen. Ich will nicht, dass einer in deinen „Weinberg“, dein Leben einbricht, es schädigt oder zerstört.
Und einen Turm hat Gott über meinem Leben gebaut: Nicht um mich zu beobachten! Nein, nur dazu, um nach mir zu sehen und darauf zu achten, dass keiner mich von diesem Beschützer abhält oder trennt - und dass dem Weinberg kein Schaden widerfährt. 

Aber - auch das ist in diesem Bild deutlich: Der Weinberg, den Gott für uns so schön und voll Liebe ausgestattet hat, bleibt sein Eigentum!
Niemals darf ich sprechen: Was ich mit meinem Leben, meinen Gaben, meinem Gut und Geld anfange, geht nur mich selbst etwas an!
Nichts gehört mir – in einem letzten Sinn! Ich habe es auf Zeit überlassen bekommen, nur gepachtet! Aber der Eigentümer will ja gar nicht alles!
Er möchte nur den Anteil an den Früchten unseres Lebens, der ihm zukommt.
(Vertrauen, Dank, Lob, Liebe…)

Liebe Gemeinde!
So weit konnten wir bei der Übertragung des Bildes vom Weinberg ja sicher mitgehen. Aber was wird jetzt, wenn die Sache mit den Knechten kommt? Vielleicht wird das jetzt persönlich und auch unangenehm...

Ich will bei der Geschichte bleiben. Auch die Knechte Gottes kennen wir schon, also die Boten, die Gott uns von Zeit zu Zeit gesandt hat!
Nein, das ist nicht unbedingt unser Pfarrer gewesen, der uns an den Höhepunkten unseres Lebens, also bei unserer Konfirmation, Trauung oder Taufe unseres Kindes vielleicht ein gutes Wort aus der Bibel mitgegeben hat. Das wäre zu oberflächlich.
Die „Knechte“, die „Boten“ waren vielleicht auch gar keine Menschen.
Vielleicht haben wir ja auf andere Weise „Botschaften“ Gottes in unserem Leben vernommen.  Vielleicht war das für die eine oder den anderen der Augenblick höchster Not, durch die sie mit Gottes Hilfe hindurch gekommen sind. Und vielleicht haben sie danach Gott für die Rettung, für die Bewahrung und Genesung ein neues Leben versprochen?
Aber nach kurzer Zeit war alles vergessen. Da wurden die schuldigen Früchte verweigert, da wurde die Hilfe heruntergespielt, die Bewahrung verkleinert und die Rettung allein der ärztlichen Kunst zugeschrieben. 
Oder war diese Botschaft Gottes vielleicht ein unverhofftes Geschenk des Schicksals: Großer Erfolg im Beruf, Ansehen bei den Menschen, Reichtum an Gütern?
Wer so viel Gutes erfahren hat, wäre jetzt viel dankbares Weiterreichen an die Menschen schuldig gewesen… Aber auch dieser „Knecht“ wurde mit Schimpf und Schande fortgejagt. Auch diese „Botschaft“ wurde schnell mit eigener Leistung, eigenem Einsatz und eigener beharrlicher Mühe erklärt.

Ich glaube, so ein „Knecht Gottes“, eine „Botschaft“ von ihm kann auch unser Geschick selber sein, wie wir es z.B. heute Morgen hier haben: dass wir gesund sein dürfen, in Frieden leben können, dass die Sonne scheint, wir ein Haus und Kleider und Essen haben, einen Arbeitsplatz oder eine ausreichende Rente und einiges mehr. 
So ist schon unser Leben, wie es eben ist, dieser „Knecht“, diese „Botschaft“ des Herrn, mit der Gott bei uns anklopft, dass wir ihm die Frucht abgeben, die ihm zusteht und ihm gehört.
Was ist? Lassen wir ihn erst gar nicht herein? Mit wie viel oder mit wie wenig Frucht speisen wir ihn ab? Erkennen wir ihn nicht, wie in den Märchen, wo der Wohltäter, ein König oder ein Engel oder Gott selber unerkannt unter den Menschen auftritt und sie ihn fortjagen.

Sind wir Gott dankbar für alles, was er uns gibt?
Nein, nicht alle danken Gott dafür. Viele meinen, sie hätten alles alleine geschafft, alles alleine aufgebaut. Viele meinen, für all die Errungenschaften eines modernen Lebens braucht man keinen Gott. Wirklich?

Merken wir nicht in diesen Tagen, wie unsere selbst gezimmerte Sicherheit zu wanken beginnt? Unsere Welt ist weit von wahrem Frieden entfernt. 
Die letzten Monate haben uns in der Wirtschaft gezeigt, wie gefährdet in einer globalen Welt in jedem Land und an jedem Ort Wirtschaft und Finanzen sind. All die starken Worte der Unternehmer über sinnvolle Reformen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich selbst Personen im öffentlichen Dienst und hoher Stellung immer wieder hemmungslos bereichern. Durch Unterschlagung und Korruption und Produktpiraterie und andere Formen der Wirtschaftskriminalität treten die großen Schäden auf. 

Dabei spielt für viele Menschen Gott keinerlei Rolle mehr.
„Du Gott, unser Leben ist etwas Irdisches – du Gott, bist für den Himmel und die religiös besonders Interessierten zuständig, in unser Leben passt du einfach nicht hinein.“ 
//Auf eine Wand hatte jemand den Satz gekritzelt: „Gott ist tot! Nietzsche.“
Darunter hatte ein anderer hinzugefügt: „Nietzsche ist tot! Gott.“

„Da hatte er noch einen, seinen geliebten Sohn. Den sandte er als letzten auch zu ihnen und sagte sich: Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen!“

Liebe Gemeinde!
So ernst das nun auch ist, jetzt wollen wir doch auch das noch besprechen:
Nein,  auch wir haben uns nicht gescheut! Wir haben uns durch die Boten und Botschaften Gottes nicht bewegen lassen, Gott zu geben, was ihm an Frucht unseres Lebens zusteht. Um unsertwillen hat er seinen Sohn senden müssen – damit wir endlich begreifen, was wir ihm wert sind und wie sehr er uns liebt.
Bevor der Sohn kam, haben wir´s nicht verstanden, dass es die Gnade dieses Herrn war, seine Liebe, mit der er uns gewinnen und sich aus unseren harten Herzen wenigstens ein bisschen Frucht bereiten wollte.

Nun steht der Sohn vor der Tür. Der Erbe. Ihm gehört unser Leben. Es ist ihm vom Vater übereignet!
Und wir sagen es ihm ins Gesicht:
„Nein, mein Leben gehört allein mir. Ich will jede Frucht daraus genießen, ich will nicht teilen, ich habe nichts abzugeben“.
Und der Sohn wird seinen Weinberg nicht gewaltsam an sich reißen – er wird uns lange sanft ansehen – und wir werden´s ihm noch einmal sagen müssen:
“Mein Leben gehört mir, es ist mein Weinberg, keine Frucht für dich!“
Dann wird er gehen. Er wird noch an viele Türen klopfen und viele werden ihn abweisen. Er wird seine Straße ziehen, den Kreuzweg hinauf nach Golgatha. Und wir und viele treiben ihn dort hinauf, alle, die ihm den Platz in seinem Eigentum verweigern, die ihm die Früchte und sein Erbe streitig machen. Und das Kreuz, an das man ihn oben schlägt, ist das Kreuz unserer Ichsucht und unserer Schuld. 

„Und sie nahmen ihn und töteten ihn und warfen ihn hinaus vor den Weinberg. Was wird nun der Herr des Weinbergs tun?“

Die Frage bleibt: Nehmen wir Christus wirklich noch hinein in unser Leben? 
Ja, geredet haben wir viel von ihm und über ihn und uns um seinen Tisch versammelt.
ABER: hängt er nicht noch tot am Kreuz, wie auf unserem Altarbild? 
Und ist er da nicht ganz gut aufgehoben in seinem Goldhintergrund? 
Und als Kunstwerk dazu schön anzuschauen? Leiden im Hochglanz? 
Verbrämt, in Gold gefasst, wie in unserem Leben: abgelenkt, verdeckt, schöngeredet. Ja schon: Den Glanz der Würde hat er nicht verloren. Und er bleibt uns nahe. Er macht sich nicht aus dem Staub, wenn es eng wird.

Liebe Gemeinde,
ganz zu Ende ist diese Geschichte bis heute noch nicht, Gott sei Dank!
Was auch immer schon geschehen ist, noch gibt Gott uns Zeit.
Immer noch dürfen wir seinen Weinberg bewohnen, mit Turm, Zaun und Kelter aufs Beste ausgestattet. Immer noch können wir Frucht bringen und auch eine schöne „Weinlese“ wie damals in Siebenbürgen feiern! 

Ich kann hier aber nicht aufhören, ohne noch diesen traurigen Aspekt des Gleichnisses zu erwähnen.
Im Laufe der Geschichte der Kirche war man nicht mehr so genau im Unterscheiden. Man hat das ganze jüdische Volk mit den bösen Weingärtnern identifiziert und daraus geschlossen, dass es den Tod verdient hat.
Unser Gleichnis von den bösen Weingärtnern diente in der Geschichte der Kirche immer wieder zur Rechtfertigung von Judenhass und Judenverfolgung. Deshalb ist es auch ein gefährliches Gleichnis. 
Es lässt sich missbrauchen und es wurde missbraucht. Eine verhängnisvolle Spur führt von unserem Gleichnis zu den Judenpogromen des Mittelalters und zu den Gaskammern der Nationalsozialisten.
Wenn wir über das Gleichnis von den bösen Weingärtnern nachdenken, dann müssen wir uns auch dieser fatalen Wirkungsgeschichte bewusst sein.
Ganz gewiss wollte der Erzähler des Gleichnisses nicht die Verfolgung und Ermordung des JÜDISCHEN VOLKES erreichen. An solche Folgen konnte zur Zeit Jesu niemand denken. Das Volk damals stand ja auf der Seite Jesu und aus „Angst vor dem Volk“ ließen die führenden Vertreter Jesus vorläufig in Ruhe, wie es im Text steht.

Wir Heutigen dürfen die Wirkungen des Gleichnisses und seine Opfer nicht vergessen! Und wir müssen uns selbst hüten vor falschen Identifikationen und leichtfertigen Schuldzuweisungen!!

Der Weinbergbesitzer GOTT ist noch immer die Quelle, der wir uns verdanken, das Licht, das Wärme bringt, der Atem, der uns mit allen Geschöpfen zu einem lebendigen Wesen werden lässt. Und er ist der, der uns die Beziehungsfähigkeit ermöglicht zum Kontakt und Dialog und zum Wahrnehmen des Anderen und Fremden.

Und zum Schluss; 
Es ist gut, dass unsere Geschichte nicht mit dem Mord an dem Erben zu Ende ist. Es ist gut, dass die Evangelien nicht mit dem Tod des Sohnes Gottes schließen. Es ist gut zu wissen, dass auf den Karfreitag OSTERN folgt!

Und immer noch dürfen wir Gott geben, was ihm zusteht. 
Gott allein weiß, wie lange wir noch Zeit haben! 

Was hat die Kirche Jesu Christi heute noch wirklich mit ihrem Besitz zu tun? Da wird eifrig geredet und gearbeitet. Da gibt es Zäune und Abgrenzungen jeder Art. Da gibt es einen Wachturm von Lehramt und Aufsicht. Steht dabei unser Streben nach Erfolg und Anerkennung nicht im Vordergrund?

Gott kehrt die Niederlage zum Sieg.
In der Bibel stehen keine Geschichten, die mich nur als Zuhörer oder Zuschauer meinen. Es stehen keine darin, die nur den anderen ansprechen.
Nein, das geht nicht. Die anderen werden beschimpft und wieder andere sogar getötet. Nicht zu vergessen die alltäglichen Hiebe, die wir mit unseren Worten täglich anstellen können. Auch Worte können töten, und ich füge hinzu: Auch unser Verhalten.

Aber was können wir aus dieser Geschichte von Vertrauen, Verrat, Misshandlung, Mord, Totschlag und Vergeltung heute mitnehmen?

Nicht wir sind es! „Gott der Herr pflanzte einen Garten in Eden und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte, dass er den Garten bebaute und bewahrte“. Gott investiert und ist Eigentümer!
Wie verhalten wir uns, wenn ab und zu einer kommt und uns erinnert, wem der Weinberg, in dem wir arbeiten, gehört? 

Dieses Gleichnis ist die Geschichte der unendlichen Geduld Gottes mit seiner Gemeinde. Er müht sich um uns auf dem Weg der Liebe und Gewaltlosigkeit.

Jesus zitiert eine bekannte Stelle des Alten Testamentes: „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden.“
Dieser Psalm 118 ist das Danklied eines Menschen, der dem Tod geweiht schien und den Gott dem Verderben entrissen hat. (Sehr bekannt bei den Pharisäern).
Auch ist der 118. Psalms der Osterpsalm der Alten Kirche.
„Dein Kampf ist unser Sieg, dein Tod ist unser Leben…“ (EG 66,3)
Der von Menschen Verworfene, Getötete wird zum Sieger für uns Menschen.
Christus ist der Eckstein seiner Gemeinde, der das ganze Gewölbe trägt.
Die Frage ist, ob wir das so deutlich sagen, dazu stehen und es leben?

Gebet:
Wir freuen uns, dass du durch alle Botschaft und Irrtümer der Menschen deine Schöpfung weiterhin bewahrst. Lass uns sorgfältiger und wachsamer umgehen mit dem Lebensraum, den du uns anvertraut hast.

Die führenden Priester, die Gesetzeslehrer und die Ratsältesten merkten, dass sie gemeint sind. Sie hatten natürlich ihren Jesaja gelesen und kannten das Weinberglied. Jesaja singt dort mit süßen Worten ein Lied davon, wie er den Weinberg einrichtet, den Boden bereitet und von Felsbrocken befreit. Und der Weinberg trägt dann statt süßen Früchten nur sauere. Der Weinberg seid ihr, das Volk Gottes! 
Jedenfalls greift Jesus dieses Lied auf und deutet es um. Gott ist der Weingärtner, die Juden sind die Pächter, die den Weinberg übergeben bekommen haben. Und weil sie die Abgesandten so schlecht behandelt haben, wird er ihnen abgenommen.

Die Botschaft dieses Gleichnisses: Wir Menschen können unser Sein als Mitarbeiter Gottes verfehlen. Da gibt es nicht nur das Volk Israel, sondern auch viele Kirchen, die sich zuerst um ihr eigenes Wohl und nicht um das den ihnen anvertrauten Weinbergs kümmern.

Am heutigen 2. Sonntag in der Passionszeit, der den Namen „Reminiscere“ trägt, bitten wir Gott mit Worten aus dem 25. Psalm, dass er seiner Barmherzigkeit gedenke und Jesus, seines geliebten Sohnes. „Der Stein, den die Bauleute…“
Denn sie verstanden, dass er auf sie hin dieses Gleichnis gesagt hatte.
Mögen wir erkennen, dass dieses Gleichnis auch für uns erzählt wurde, nicht um uns zu verurteilen, sondern um uns zu gewinnen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen
 

Christian Reich
Pfarrer i.R.

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